Dating My Mother (2017)
Wer die Liebe findet, darf sie behalten
Kathryn Erbe (bekannt aus ECHOES - STIMMEN AUS DER ZWISCHENWELT) spielt Joan, eine durchaus MILFige Witwe, die nach dem Tod ihres Mannes Kalifornien verlassen hat, um mit ihrem Sohn Danny (Patrick Reilly) zurück in ihr beschauliches Heimatstädchen zu ziehen. Mutter und Sohn haben eine liebevoll-innige Bindung, in der man sich foppt und verständigt; manchmal teilen sie auch das Bett zusammen.
Danny ist in seinen späten Teens und stockschwul. Er möchte Drehbuchautor werden und sehnt sich nach Los Angeles zurück. Mama Joan ist der Trauer und Einsamkeit überdrüssig und meldet sich online auf einer Dating-Plattform an. Auch Sohnemann grindrt sich durchs Netz, ist aber eher als flüchtigen hookups interessiert, damit er nicht durch Gefühlswallungen in seiner Schreiberei behindert wird...
Formal ist an DATING MY MOTHER, dem Langfilmdebüt des jungen Autorenfilmers Mike Roma, nichts zu beanstanden. Der Streifen ist ordentlich fotografiert, dynamisch geschnitten, stimmig ausgestattet und gut gespielt. Romas Regie ist solide und straff, er blendet uns nicht mit gewollter Originalität oder ausgeprägter Handschrift. Dass Dannys Grindr-Dates während des Chattens bei ihm im Raum sind, ist eine nicht besonders elegante, aber doch preiswerte und frische Lösung.
Das Hauptproblem, das sich bei DATING MY MOTHER auftut, ist, dass Romas Drehbuch zu keiner Einheit findet. Unausgegoren zwischen (unkomischer) Komödie und (unfeinsinnigem) Familiendrama mäandernd, weiß man nicht so recht, wohin der Regisseur uns führen möchte. Am Ende verpufft das Gemisch im Konventionellen. Dating My Mother ist inhaltlich so substanz- und belanglos, dass er unter den vielen, vielen queeren Filmen ähnlicher Couleur schlichtweg untergeht.
Der zweite große Knackpunkt ist Patrick Reilly, der es leider nicht schafft, seine Figur auch nur eine Sekunde lang sympathisch erscheinen zu lassen. Sein Danny ist die verzickte Karikatur eines überpriviligierten, verzogenen Teenagers. Das mag von der Regie so gewollt gewesen sein, macht es dem Zuschauer aber sehr schwer, hier irgendwo anzudocken. Ausgleich findet der Film in Kathryn Erbe. Die sträflich unterschätzte Schauspielerin ist hier in einer ihrer raren Hauptrollen zu sehen und zieht den unerfahrenen Reilly in den gemeinsamen Szenen wunderbar mit.
Das größte Plus von DATING MY MOTHER liegt in der Besetzung der Nebenrollen: so sehen wir Kathy Najimy (SISTER ACT) in einem bewegenden Auftritt als Joans beste Freundin und Indie-Ikone James Le Gros mit schickem Bart als Joans love interest.